Wir ziehen in den Norden

Nachdem der Kauf des Hauses der Großmutter meiner Frau endgültig gescheitert war, mussten wir uns dringend nach einer neuen Bleibe umsehen. Ein kleines Häuschen mit einem ebenso kleinen Gärtchen in unserem Dorf war bereits in die engere Auswahl gekommen, als uns die Maklerin anrief, dass die Immobilie nun doch erstmal nicht verkauft werden könne, weil der Keller feucht sei und man dieses Problem erst einmal klären müsse. Ein feuchter Keller kann teuer werden. Da kann ein günstiges Haus schnell zu einer teuren Angelegenheit werden. Also hieß es weitersuchen. Eins war klar: Zur Miete würden wir nicht in dem Haus wohnen bleiben, das wir uns ursprünglich mal kaufen wollten. Als wir uns damit abgefunden hatten, mussten wir uns erstmal ganz neu orientieren. Meine Frau, Nicki ist zwar hier aufgewachsen, aber grade deswegen fühlt sie sich hier nicht besonders wohl. Hier meint jeder meine Frau besser zu kennen, als sie selbst. Und tagtäglich begegnet sie hier Menschen die sie eigentlich nie wiedersehen möchte. Nicki nennt diese Menschen liebevoll Arschlochmenschen.

Während wir uns eigentlich noch eine neue Bleibe in unserem Dorf suchten, kam sie dann plötzlich auf die verrückte Idee, man könnte ja auch in den Norden ziehen. Im Norden ist es richtig schön. Immer, wenn wir an der See Urlaub machen, fühlen wir uns so sauwohl, dass schon lange klar war: Unseren Ruhestand werden wir später am Meer genießen. Unsere Kleine kommt erst in ein paar Jahren in die Schule und die Große ist im Sommer mit der Schule fertig. Meine Antwort, dass ein Umzug in den Norden an mir nicht scheitern sollte, hat sie – glaube ich – ein Bisschen überrascht. Jetzt brauchte sie nur noch das OK unserer Großen. Als die dann meinte: „Wenn ich nur noch die Schule fertigmachen kann, dann bin ich dabei!“, stand dem großen Umzug nichts mehr im Weg – abgesehen von der riesigen logistischen Herausforderung: Wie bekomme ich einen Vier-Personen-Haushalt 700 km hoch in den Norden.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Dann wollten wir doch mal sehen, ob es im Norden Schleswig-Holsteins auch eine Wohnung für uns gibt. Schnell hatten wir uns auf Niebüll festgelegt. Dieses kleine Städtchen im Norden Nordfrieslands sollte unsere neue Heimat werden. Wohnungsangebote findet man selten ein halbes Jahr im Voraus, also schaltete meine Frau selbst eine Annonce, in der sie ihre nette Familie vorstellte und von unseren Umzugsplänen erzählte. Als andere Rheinländer den Straßenkarneval feierten, fuhren wir hoch an die Küste und besichtigten eine Wohnung und zwei Häuser. Dieses eine Haus mit seinem großen Garten und dem freundlichen Vermieterehepaar war wirklich beeindruckend. Und dieses eine Haus mit seinem großen Garten und dem freundlichen Vermieterehepaar war es auch, für welches wir noch an diesem Karnevalswochenende die feste Zusage erhielten. Wow! Jetzt muss nur noch der Umzug organisiert werden. Mein Freund, der Liedermacher Akim Jensch hat mir gleich mal folgende Zeilen geschrieben:

Sie zieh’n in den Norden,
flieh’n vor den Horden,
die plündernd im Westen
die Gegend verpesten.

Daraus ist dann unser Umzugssoundtrack geworden, den ich mir auf einem seiner legendären Hauskonzerte am 25. März dann sogar live in Osnabrück anhören konnte. Ab Juli werden wir also im Norden wohnen. Nickis Eltern sind damals aus der Gegend ins Rheinland gezogen und als meine Mutter, die aus Hamburg kommt – was ja auch schon ziemlich nördlich ist – dann noch erzählte, dass unsere Vorfahren vor hunderten von Jahren ebenfalls aus der Region an die Ostsee nach Fehmarn gezogen waren, weil sie es leid waren, dass regelmäßige Sturmfluten immer wieder ihr Hab und Gut zerstörten, hatte unsere Entscheidung gleich noch etwas Mystisches. Inzwischen überschwemmt die Nordsee die Region auch nicht mehr, da die Hamburger Firma, in der meine Mutter in jungen Jahren arbeitete damals einen ordentlichen Damm in Dagebüll errichtet hat. Zufälle gibt´s!

Es ist entschieden! Ab Sommer werden wir ganz oben in Nordfriesland wohnen. Zur Nordsee und nach Dänemark ist es von da nur ein Katzensprung. Der Autoreisezug nach Sylt startet in Niebüll und auch zur Ostsee ist man nicht sehr lange unterwegs. Das haben wir gleich mal ausprobiert, als wir meinen Schwiegeropa in Flensburg besuchten, der sich übrigens schon ziemlich freut, uns bald in seiner Nähe zu haben.

Natürlich werden wir gelegentlich in der alten Heimat vorbeischauen und außerdem kann man bei uns prima Urlaub machen. Hey, wer würde nicht gerne da wohnen wo andere Urlaub machen?!

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