Hallo Ex-Frau!

Was ich schon lange mal loswerden wollte!

Ich setze mich seit unserer Trennung sehr intensiv mit meinem Leben auseinander! Mit dem was früher war und damit was alles passiert ist, seit den verschiedenen mittleren bis großen Katastrophen, die uns beiden widerfahren sind. Ich hatte so viel mit mir selbst zu tun, dass ich damals nicht in der Lage war, einzusehen, dass es nicht nur mein eigenes Schicksal war, das uns allen am 26.September 1996 um die Ohren geflogen ist!

Nicht nur ich hatte mir mein Leben völlig anders vorgestellt, bis uns beiden dann an diesem Sommermorgen das eiskalte, rücksichtslose Schicksal eine reingehauen hat. Eigentlich ist es doch sogar gut nachvollziehbar, warum ich immer nur mich selbst als das arme Opfer gesehen habe! Eigentlich war ja auch ich das Opfer! Der arme Kerl, der doppelt Pech hatte. Als erstes war da die Hirnblutung und dann bin ich noch nicht einmal dran verreckt! Ich war eben schon immer ein Glückspilz! Ich habe es überlebt! Selten lagen Fluch und Segen so nah beieinander! Ich hatte es nicht leicht! Ich hatte es nicht leicht, als ich plötzlich wieder wie ein Säugling in meine Windeln gekackt habe und ich hatte es nicht leicht, als ich die einfachsten Dinge ganz langsam wieder lernen musste! Irgendwann habe ich mich unseren Kindern zuliebe mehr und mehr aufgerafft und mir wirklich die beste Mühe gegeben, dass möglichst niemand etwas merkt!

Was ich damals nicht einsehen wollte, war die Tatsache, dass der 26. September nicht nur mein damaliges Leben zerstört hat! Auch du hattest dir dein Leben ganz sicher anders vorgestellt, als es dann auf einmal sein sollte!

Spätestens seit ich – nach einem halben Jahr – wieder zu Hause war wurde dir klar, dass ich nicht mehr derselbe war. Mir selbst wurde lange Zeit überhaupt nichts klar! Ich habe nur frustriert vor mich hinvegetiert und unsere gesamte kleine Familie an meiner schlechten Laune teilhaben lassen!

So war das!

Als ich dann aus dem Krankenhaus kam, war ich abgemagert und am Ende! Heute erinnere ich mich an dieses schreckliche Foto von dir! Das Foto, das in der schlimmsten Zeit bei dir auf der Arbeit entstanden ist. Du hattest tiefe Ränder unter den Augen und hast selbst auch nicht mehr viel mehr gewogen, als „dein armer Mann“!

Du hast es damals geschafft, unsere kleine Familie durchzubringen, während ich zu nichts in der Lage war! Es ist dir sogar gelungen, mich wieder zum Fahrradfahren zu bewegen! Mein Gleichgewicht ist übrigens noch immer ein Arschloch, aber ich habe gelernt damit umzugehen!

Du hast viel erreicht! Du bist eben eine außergewöhnlich gute Gesundheits- und Krankenpflegerin! (Das hat die Autokorrektur aus Krankenschwester gemacht.)

Als du dann – was mich betraf – mit deinem Krankenschwesternjob fertig warst, mussten wir beide feststellen, dass wir nicht mehr die waren, die wir bis zu diesem Tag im September waren!

Du hast mich erst vor die Tür gesetzt, nachdem du mich fit gemacht hattest fürs Überleben!

Heute weiß ich, dass ich sogar dringend raus musste! Das mit uns war schon lange auf der Strecke geblieben! Spätestens, als du bei mir mit deinem „Krankenschwesternjob“ fertig warst, war es für uns beide Zeit loszulassen! Das kennst du ja von der Arbeit! Ihr flickt die Notfälle zusammen, aber wie diese sich dann in freier Wildbahn zurechtfinden ist eher der Job für soziale Dienste!

Ich habe ja oft und gerne erzählt, wie sehr du mich verletzt hast! Heute ist mir bewusst, dass wir uns gegenseitig nicht mehr gutgetan haben!

Das, was dann nötig war, konnten wir beide nicht mehr schaffen! Dafür fehlte uns beiden nicht nur die Kraft, sondern auch der Antrieb!

Nach meiner anfänglichen Schockstarre ist mir dann Nicki über den Weg gelaufen! Etwas Besseres konnte mir überhaupt nicht passieren! Sie hat sich dann um meine „Reha“ gekümmert (um bei dem obigen Vergleich zu bleiben)! Dass das keine leichte Sache ist und auch sie dabei oft an ihre Grenzen stößt ist ja selbstverständlich, aber wir beide haben den Vorteil, dass Nicki mich erst so kennengelernt hat, wie ich heute bin!

Ich war übrigens auch ohne dich nicht immer der nur zu 100% entspannte gutgelaunte Typ! Seit ich meinen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bekomme, kann mich jetzt aber wirklich kaum noch etwas aus der Ruhe bringen! Und das großartige dabei ist: ich bin noch immer der gleiche!

Inzwischen geht es mir verdammt gut (besser gesagt: Ich kann inzwischen gut mit meinen Defiziten umgehen). Trotzdem muss Nicki auch heute noch täglich ihren ganz besonderen Job machen: Mich vor unangenehmen Situationen bewahren, mir den Rücken freihalten und sich einige Dinge wieder und wieder erzählen lassen, weil ich ständig vergesse, was ich bereits erzählt habe! Und das macht sie verdammt gut! Ich bin in guten Händen!

Eine Entschuldigung wird es von mir nicht geben! Warum auch? Uns beide trifft nämlich keine Schuld! Aber eins muss ich heute endlich mal loswerden: Ein ganz fettes DANKESCHÖN dafür, dass du mich damals wieder auf die Beine gestellt hast!

Das haste gut gemacht!

Grüße aus dem Norden sendet dein Exmann!

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s